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Der Ankerpunkt ist eine der zentralen Referenzen im Blankbogenschießen. Er beschreibt die Position, an der die Zughand am Ende des Auszugs reproduzierbar am Gesicht anliegt. Über den Ankerpunkt werden Auszugslänge, Kopfhaltung, Sehnenlage, Pfeilposition und Zielbild miteinander verbunden. Beim Blankbogen ist diese Referenz besonders wichtig, weil kein Visier verwendet wird. Der Schütze erzeugt sein Zielsystem aus Körperposition, Pfeilspitze, Sehnenbild und Fingerposition auf der Sehne.

Ein guter Ankerpunkt ist nicht nur bequem. Er muss wiederholbar, stabil und zur Zielmethode passend sein. Schon kleine Veränderungen im Anker verändern den Winkel des Pfeils und damit die Trefferlage. Besonders bei Stringwalking können wenige Millimeter Unterschied in der Handposition sichtbar auf der Scheibe ankommen.

Funktion des Ankerpunkts

Der Ankerpunkt erfüllt mehrere Aufgaben gleichzeitig. Er begrenzt den Auszug, stabilisiert den Kopf, definiert die Lage der Sehne zum Auge und schafft eine feste Verbindung zwischen Zughand und Gesicht. Dadurch wird jeder Schuss vergleichbarer mit dem vorherigen.

Beim Blankbogen ist der Ankerpunkt zusätzlich Teil des Zielsystems. Da kein Visier vorhanden ist, muss die Pfeilspitze als optische Referenz dienen. Ob die Pfeilspitze bei einer bestimmten Entfernung hoch, tief oder direkt ins Ziel gehalten werden kann, hängt stark vom Ankerpunkt ab.

Ein höherer Ankerpunkt bringt das Auge näher an den Pfeil. Dadurch verändert sich die Sichtlinie zur Pfeilspitze. Ein tieferer Ankerpunkt vergrößert den Abstand zwischen Auge und Pfeil und verändert den Haltepunkt entsprechend.

Typische Ankerpunkte im Blankbogen

Im Blankbogen werden vor allem zwei Varianten verwendet: der hohe Anker und der tiefere Anker. Beide haben Vor- und Nachteile.

Ankerpunkt Beschreibung Wirkung
hoher Anker Zughand liegt eher am Mundwinkel, Wangenknochen oder unter dem Jochbein kürzere Point-on-Distanz, häufig günstig für kurze und mittlere Entfernungen
tiefer Anker Zughand liegt eher unter dem Kinn oder seitlich am Kiefer längere Point-on-Distanz, ruhige Linie, eher verwandt mit Recurve-Technik
seitlicher Anker Zughand liegt deutlich seitlich im Gesicht kann stabil sein, aber Kopf- und Sehnenlage müssen sehr konstant sein
Anker mit Tabplatte Tabplatte liegt an Kiefer, Wangenknochen oder Mundwinkel an hohe Wiederholbarkeit, wenn die Kontaktstelle eindeutig ist

Für viele Blankbogenschützen ist ein relativ hoher Anker sinnvoll, weil er das Zielen über die Pfeilspitze erleichtert. Besonders bei kürzeren Distanzen kann ein hoher Anker helfen, den Haltepunkt näher an das Ziel zu bringen. Ein tiefer olympischer Recurve-Anker unter dem Kinn führt beim Blankbogen oft dazu, dass die Pfeilspitze auf kürzeren Entfernungen deutlich unter das Ziel gehalten werden muss.

Hoher Anker

Der hohe Anker ist im Blankbogen weit verbreitet. Die Zughand liegt dabei meist am Mundwinkel, am Eckzahnbereich, am Wangenknochen oder an einer klaren Stelle entlang des Kiefers. Wichtig ist nicht die konkrete Stelle allein, sondern ihre Wiederholbarkeit.

Vorteile eines hohen Ankers:

  • die Pfeilspitze liegt optisch näher an der Ziellinie,
  • kurze und mittlere Entfernungen lassen sich oft einfacher abbilden,
  • Stringwalking-Crawls können geringer ausfallen,
  • der Kopf bleibt bei passender Technik relativ natürlich ausgerichtet.

Nachteile können entstehen, wenn der Anker zu weich oder zu unklar ist. Liegt die Hand nur „irgendwo“ an der Wange, fehlt eine präzise Referenz. Auch ein zu stark gedrehter Kopf oder ein seitlich verschobener Anker kann zu systematischen Links-/Rechtsfehlern führen.

Ein guter hoher Anker benötigt deshalb klare Kontaktpunkte: zum Beispiel Zeigefinger am Mundwinkel, Tabkante am Wangenknochen oder Handrücken an einer festen Stelle des Kiefers.

Tiefer Anker

Der tiefe Anker liegt näher an der klassischen Recurve-Technik. Die Zughand befindet sich unter dem Kinn oder entlang der Kieferlinie. Diese Position kann sehr stabil sein, weil sie eine klare geometrische Linie zwischen Bogenhand, Zughand und Rückenarbeit unterstützt.

Vorteile eines tiefen Ankers:

  • stabile Schusslinie,
  • klare Verbindung zur Recurve-Technik,
  • oft ruhige Kopfhaltung,
  • gute Wiederholbarkeit bei sauberer Tab- und Kinnposition.

Im Blankbogen kann der tiefe Anker jedoch praktische Nachteile haben. Da das Auge weiter vom Pfeil entfernt ist, verändert sich das Zielbild deutlich. Für kürzere Entfernungen muss häufig stärker gecrawlt oder deutlich unter das Ziel gehalten werden. Bei sehr kurzen Distanzen kann das unpraktisch werden.

Ein tiefer Anker kann sinnvoll sein, wenn ein Schütze aus dem olympischen Recurvebereich kommt oder wenn die bevorzugten Entfernungen und das Pfeilsystem dazu passen.

Ankerpunkt und Stringwalking

Beim Stringwalking verändert der Schütze die Fingerposition auf der Sehne. Die Finger greifen nicht immer direkt unter dem Pfeil, sondern je nach Entfernung weiter unten. Dadurch verändert sich der Winkel des Pfeils beim Abschuss. Der Ankerpunkt bleibt dabei möglichst gleich.

Das ist entscheidend: Beim Stringwalking wird die Entfernung nicht über wechselnde Ankerpunkte, sondern über wechselnde Fingerpositionen auf der Sehne ausgeglichen. Der Anker sollte deshalb konstant bleiben. Wenn sowohl Crawl als auch Anker variieren, wird das System schwer kontrollierbar.

Ein sauberer Stringwalking-Schuss besteht aus drei stabilen Referenzen:

Referenz Funktion
Nockpunkt definiert die Position des Pfeils auf der Sehne
Crawl definiert die Fingerposition unterhalb des Pfeils
Ankerpunkt definiert die Lage der Zughand am Gesicht

Verändert sich eine dieser Referenzen ungewollt, verändert sich die Trefferlage.

Ankerpunkt und Point-on-Distanz

Die Point-on-Distanz ist die Entfernung, bei der die Pfeilspitze direkt auf das Ziel gehalten werden kann und der Pfeil im Zielzentrum trifft. Sie hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Ankerhöhe,
  • Pfeilgeschwindigkeit,
  • Pfeilgewicht,
  • Zuggewicht,
  • Auszugslänge,
  • Sehnenlage,
  • Bogen- und Pfeilgeometrie.

Ein hoher Anker verkürzt meist die Point-on-Distanz. Ein tiefer Anker verlängert sie. Deshalb ist der Ankerpunkt beim Blankbogen nicht nur eine Komfortfrage, sondern Teil der ballistischen Abstimmung.

Beispiel: Ein Schütze mit tiefem Anker könnte auf 50 m direkt mit der Pfeilspitze ins Gold halten, müsste aber auf 18 m deutlich unter die Scheibe zielen oder stark crawlen. Ein Schütze mit hohem Anker kann auf kürzere Distanzen günstiger liegen, hat dafür auf weite Entfernungen eventuell andere Haltepunkte.

Kontaktpunkte im Gesicht

Ein guter Anker besteht oft aus mehreren Kontaktpunkten. Je mehr davon eindeutig und reproduzierbar sind, desto stabiler wird der Schuss.

Typische Kontaktpunkte sind:

Kontaktpunkt Bedeutung
Zeigefinger am Mundwinkel häufige Referenz bei hohem Anker
Tabkante am Wangenknochen klare mechanische Orientierung
Handrücken am Kiefer stabilisiert seitliche Position
Sehne an Nase oder Gesicht zusätzliche Referenz, wenn konstant möglich
Daumenwurzel am Kiefer abhängig von Tab und Handform
Tabplatte unter dem Jochbein typisch bei manchen Blankbogentabs

Nicht jeder Schütze nutzt alle Kontaktpunkte. Entscheidend ist, dass die gewählten Punkte eindeutig sind und ohne Suchen erreicht werden.

Kopfhaltung und Anker

Der Ankerpunkt darf nicht dadurch entstehen, dass der Kopf zur Hand wandert. Technisch sauber ist, wenn der Kopf stabil bleibt und die Zughand in den Anker geführt wird. Bewegt sich der Kopf jedes Mal unterschiedlich zur Sehne, verändert sich das Zielbild.

Typische Fehler sind:

Fehler Wirkung
Kopf kippt zur Sehne wechselnde Augenposition, seitliche Fehler
Kinn wird vorgeschoben instabiler Anker, veränderte Auszugslänge
Kopf dreht zu stark Sehnenbild und Zielbild verändern sich
Zughand sucht den Anker unruhiger Ablauf, wechselnde Kontaktpunkte
Anker wird zu früh gesetzt Auszug endet vor stabiler Rückenspannung

Die Kopfhaltung sollte neutral und aufrecht bleiben. Der Blick geht zum Ziel, der Bogen wird gehoben, der Auszug erfolgt kontrolliert, und die Zughand findet die bekannte Kontaktstelle.

Zughand und Tab

Der Tab beeinflusst den Ankerpunkt stark. Beim Blankbogen ist er nicht nur Fingerschutz, sondern auch Referenzfläche. Viele Blankbogentabs haben eine Platte oder eine klare Kante, die am Gesicht anliegt. Diese Kante kann helfen, den Anker präzise wiederzufinden.

Wichtig ist, dass der Tab zur Hand passt. Ein zu großer Tab kann unklare Kontaktflächen erzeugen. Ein zu kleiner Tab schützt die Finger schlecht und verändert das Lösen. Auch die Materialstärke beeinflusst den Abstand zwischen Fingern, Sehne und Gesicht.

Für Stringwalking sollte der Tab außerdem eine reproduzierbare Fingerplatzierung ermöglichen. Markierungen oder eine klar definierte Kante helfen, den Crawl exakt zu wählen.

Anker und Lösen

Der Ankerpunkt ist kein Endpunkt, an dem der Schuss „steht“. Er ist eine Durchgangsposition in einem fortlaufenden Schussablauf. Nach dem Erreichen des Ankers muss die Spannung weiter kontrolliert aufgebaut werden. Wird im Anker passiv gehalten, entstehen häufig Lösefehler.

Beim sauberen Lösen bleibt die Zughand entspannt und die Rückenspannung führt die Bewegung. Die Finger öffnen nicht aktiv nach außen, sondern die Sehne verlässt die Finger, während die Zughand entlang des Gesichts nach hinten ausläuft.

Ein instabiler Anker führt oft zu einem instabilen Lösen. Wenn die Hand vor dem Schuss noch nach der Position sucht, wird der Ablass selten gleichmäßig.

Hoher oder tiefer Anker: Entscheidungskriterien

Die Wahl des Ankerpunkts sollte nicht zufällig erfolgen. Sie hängt von Zielmethode, Disziplin, Entfernungen und Körperbau ab.

Kriterium Eher hoher Anker Eher tiefer Anker
kurze Entfernungen günstig oft stärkerer Crawl nötig
18 m Halle häufig vorteilhaft möglich, aber nicht immer praktisch
50 m Target abhängig von Point-on häufig günstiger für weitere Distanz
3D / Feld oft flexibel möglich, aber Zielbild prüfen
Stringwalking sehr verbreitet ebenfalls möglich
Umstieg von Olympic Recurve ungewohnt vertrauter
intuitive Elemente oft natürlicher weniger typisch
maximale Linienruhe individuell häufig stabil

Es gibt keinen allgemein besten Ankerpunkt. Richtig ist der Anker, der zu einem reproduzierbaren Zielbild und stabilen Trefferbild führt.

Häufige Fehler beim Ankerpunkt

Zu weicher Anker

Die Hand liegt nur ungefähr am Gesicht. Dadurch verändert sich die Auszugslänge von Schuss zu Schuss. Die Treffer streuen besonders in der Höhe.

Zu viel Druck ins Gesicht

Ein übermäßig festes Pressen der Hand gegen Gesicht oder Kiefer erzeugt Spannung. Dadurch können Kopfhaltung, Sehnenlage und Lösen gestört werden.

Wechselnde Ankerhöhe

Wenn die Hand einmal am Mundwinkel, einmal tiefer am Kiefer liegt, verändert sich das Zielbild. Das führt zu Hoch-/Tiefstreuung.

Seitlich wandernder Anker

Ein seitlich verschobener Anker verändert den Pfeilwinkel und die Sehnenlage. Das führt häufig zu Links-/Rechtsabweichungen.

Kopf sucht die Sehne

Der Kopf wird zur Hand geneigt oder gedreht. Dadurch wirkt der Anker stabil, ist aber tatsächlich abhängig von wechselnder Kopfposition.

Anker und Crawl werden vermischt

Beim Stringwalking sollte der Crawl die Entfernung steuern, nicht ein wechselnder Anker. Wer für unterschiedliche Entfernungen zusätzlich den Anker verändert, macht das System unnötig komplex.

Übungen für einen konstanten Anker

Trockenübung ohne Schuss

Der Schütze führt den Bogen ohne Pfeil oder mit gesichertem Trainingsablauf in den Auszug und findet den Anker. Ziel ist nicht Kraft, sondern Wiederholbarkeit. Die Hand soll ohne Suchen an derselben Stelle ankommen.

Blank Bale

Auf kurze Distanz wird ohne Zielbild auf eine große Scheibe geschossen. Der Schütze konzentriert sich nur auf Stand, Auszug, Anker, Spannung und Lösen. Diese Übung reduziert Zielstress und macht den Anker bewusster.

Spiegelkontrolle

Mit leichtem Bogen oder Trainingsband kann vor dem Spiegel geprüft werden, ob Kopf, Schulter und Zughand gleichbleibend arbeiten. Wichtig ist, nicht in eine künstliche Haltung zu verfallen.

Videoanalyse

Eine seitliche Aufnahme zeigt, ob die Zughand immer dieselbe Position erreicht, ob der Kopf zur Sehne wandert und ob die Zughand nach dem Lösen sauber nach hinten ausläuft.

Anker bewusst benennen

Der Schütze sollte seinen Anker präzise beschreiben können, zum Beispiel: „Zeigefinger am Mundwinkel, Tabkante unter dem Wangenknochen, Sehne leicht am Nasenflügel.“ Wer seinen Anker nicht beschreiben kann, findet ihn oft auch nicht reproduzierbar.

Ankerpunkt bei Target, Feld und 3D

Im Target-Schießen ist der Anker stark auf Wiederholbarkeit ausgelegt. Da die Entfernung bekannt ist, kann der Crawl präzise gewählt werden. Der Anker bleibt konstant.

Im Feldbogen ist der Anker ebenfalls konstant, aber die Entfernungsschätzung kommt hinzu. Der Schütze muss schnell entscheiden, welcher Crawl zur geschätzten Entfernung passt. Ein wechselnder Anker würde die Einschätzung zusätzlich erschweren.

Im 3D-Schießen ist der Anker besonders unter Zeit- und Geländeeindruck gefährdet. Unebener Stand, Zielwinkel und unbekannte Entfernung verleiten dazu, den Kopf oder die Handposition anzupassen. Gerade deshalb ist ein fester Anker eine wichtige technische Sicherheitslinie.

Praxisempfehlung

Für Einsteiger im Blankbogen ist ein hoher, klar definierter Anker meist gut geeignet. Er sollte nicht zufällig an der Wange liegen, sondern über konkrete Kontaktpunkte definiert werden. Sinnvoll ist zum Beispiel eine Kombination aus Mundwinkel, Wangenknochen, Kieferkontakt und Tabkante.

Wichtig ist, den Anker nicht ständig zu wechseln. Wer mit Stringwalking arbeitet, sollte zunächst einen festen Anker wählen und dann die Entfernungen über den Crawl erarbeiten. Erst wenn das System verstanden ist, kann geprüft werden, ob ein anderer Ankerpunkt die Point-on-Distanz oder das Zielbild verbessert.

Fazit

Der Ankerpunkt ist beim Blankbogen eine technische Schlüsselstelle. Er verbindet Körper, Sehne, Pfeil und Zielbild zu einem wiederholbaren System. Da der Blankbogen ohne Visier geschossen wird, bestimmt der Ankerpunkt wesentlich mit, wie die Pfeilspitze im Zielbild erscheint und wie zuverlässig Stringwalking funktioniert.

Ein guter Anker ist klar definiert, körperlich stabil, ohne übermäßigen Druck und über viele Schüsse reproduzierbar. Er bleibt unabhängig von der Entfernung gleich; die Distanzanpassung erfolgt beim Stringwalking über die Fingerposition auf der Sehne. Wer seinen Anker sauber entwickelt, legt die Grundlage für konstante Trefferbilder im Target-, Feld- und 3D-Schießen.