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Barebow Gewichte – Balance, Stabilität und Regelwerk beim Barebow Schießen

Barebow-Gewichte sind ein entscheidender, aber oft unterschätzter Bestandteil des Barebow-Setups. Sie beeinflussen den Schwerpunkt, die Stabilität im Zielvorgang und das Schwingungsverhalten des Bogens nach dem Schuss. Richtig eingesetzt, helfen sie, die natürliche Bewegung des Bogens zu kontrollieren und den Schuss ruhiger und reproduzierbarer zu machen.

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Was sind Barebow-Gewichte?

Unter Barebow-Gewichten versteht man zusätzliche Masseelemente, die am Mittelteil des Recurvebogens angebracht werden dürfen – innerhalb der Grenzen des Regelwerks.
Ziel ist nicht, wie beim olympischen Recurve, den Bogen mit langen Stabilisatoren zu versehen, sondern ihn durch Masse und Schwerpunktlage zu beruhigen.

Arten von Gewichten

  • Integrierte Gewichte im Mittelteil: meist Schraubgewichte im unteren Teil des Bogens
  • Externe Gewichte oder Platten: am Griff oder im unteren Bereich montiert, herstellerspezifisch, oft individuell angepasst
  • Dämpfende Zusatzgewichte: Kombination aus Masse und Vibrationsreduktion

Warum sind Gewichte im Barebow wichtig?

Im Barebow fehlen die langen Stabilisatoren, die beim olympischen Recurve für eine gleichmäßige Nachschwingbewegung sorgen.
Stattdessen übernehmen Gewichte diese Rolle in kompakter Form. SIe balancieren den Bogen aus und vor allem sorgen Sie für eine große Masse, die die kleinen Bewegungen des ausgestreckten Arms des Schützen durch Trägheit dämpfen.

Physikalische Effekte

  • Schwerpunktverlagerung:
    Tiefer Schwerpunkt sorgt für ruhigen Zielpunkt und stabilen Nachschwung.
  • Massenträgheit:
    Mehr Gewicht = geringere Empfindlichkeit gegenüber Muskelzittern oder Mikrobewegungen.
  • Dämpfung:
    Reduziert Vibrationen beim Lösen und verbessert das Schussgefühl.

Ein gut ausbalancierter Barebow fühlt sich im Vollauszug „ruhig“ an – er bleibt nach dem Schuss gerade stehen - oder wenn der Schütze das vorzieht - kippt gleichmäßig nach vorne oder hinten.

Regelwerk für Barebow-Gewichte (World Archery)

Die World Archery (WA) legt klare Regeln fest, um sicherzustellen, dass Barebow weiterhin „nackt“ bleibt und keine Stabilisatoren einsetzt.

Zentrale Regeln (Stand 2025)

  • Der Bogen muss in eine 12,2 cm hohe Öffnung passen, wenn er mit allen Gewichten, Auflagen und Zubehörteilen montiert ist.
  • Es sind keine Gewichte erlaubt, die aus dem Bogenrahmen hervorragen oder wie Stabilisatoren wirken.
  • Gewichte dürfen innerhalb oder direkt am Mittelteil befestigt sein.
  • Die Gesamtmasse des Bogens ist nicht begrenzt – nur die Dimensionen.

Praxis-Tipp: Viele Schütz:innen montieren ein Gewicht am unteren Limbpocket oder am Griffende, um den Schwerpunkt unter die Hand zu bringen. So entsteht ein ruhigeres Zielbild.

Position und Abstimmung von Barebow-Gewichten

Die Wirkung eines Gewichts hängt stark von seiner Position am Bogen ab.
Kleine Veränderungen können die Dynamik deutlich verändern.

Position Wirkung Empfehlung
Unterer Bereich (Low Weight) Stabilisiert vertikal, beruhigt Zielbild Standardplatzierung
Mittig (am Griff) Erhöht Gesamtmasse, kaum Einfluss auf Nachschwung Optional bei sehr leichten Mittelteilen
Oben (selten) Korrigiert Balance bei kopflastigen Bögen Nur bei Bedarf

Schritt-für-Schritt-Abstimmung

  1. Bogen ohne Gewichte schießen und Verhalten beobachten
  2. Ein einzelnes Gewicht unten montieren (z. B. 80–300 g)
  3. Nachjustieren, bis der Bogen nach dem Lösen - je nach Geschmack gerade stehen bleibt oder gleichmäßig nach vorne bzw. hinten kippt - individuell nach Schütze.
  4. Gewichtsmaterialien testen (Messing, Edelstahl, Wolfram)

Grundregel: Der Bogen sollte sich nach dem Schuss „neutral“ anfühlen – kein Zurückkippen, kein Verdrehen, keine Vibration.

Materialien und Bauformen

Barebow-Gewichte gibt es in verschiedenen Formen und Materialien.
Jede Variante beeinflusst Balance, Haptik und Resonanz unterschiedlich.

Material Dichte / Gewicht Eigenschaften
Messing Mittel Klassiker, gute Dämpfung, warmes Schussgefühl
Edelstahl Hoch Schwer, robust, neutral im Schwingverhalten
Wolfram Sehr hoch Kompakt, teuer, ideal bei Platzmangel
Aluminium Leicht Für Feinjustierung, oft als Zwischenlage
Hybrid / Gummi Variabel Vibrationsdämpfend, angenehme Schussruhe

Praktische Tipps für das Barebow-Gewichtesetup

  • Beginne leicht: lieber zu wenig Gewicht und schrittweise erhöhen.
  • Nutze Videoanalyse: beobachte Nachschwung und Pfeilabgang in Zeitlupe.
  • Experimentiere mit Balance: eine kleine Veränderung kann große Wirkung haben.
  • Beachte das Regelmaß: prüfe vor jedem Wettkampf den Barebow-Test (12,2 cm-Ring).
  • Nutze Dokumentation: notiere Gewichtsposition und Masse, um Setups reproduzieren zu können.

Nicht vergessen: Du musst den Bogen auch mit ausgestrecktem Arm halten können. Wenn Du eine tolle träge Masse zusammengaut hast, dann aber zu zittern anfängst, ist das nicht Sinn der Sache. Vergiss auch nicht, dass Du das Gewicht über eine Trainings- oder Wettkampfdistanz halten können musst.

Ausgleichendes Training: Achte darauf, dass Du die andere Schulter mit Krafttraining im gleichen Maße trainierst, damit Deine Muskulatur ausbalanciert bleibt.

Fazit

Barebow-Gewichte sind mehr als nur Masse – sie sind ein Werkzeug, um den Bogen individuell abzustimmen und die Bewegungsenergie präzise zu kontrollieren.
Ein gut austarierter Barebow bietet Ruhe, Balance und Vertrauen im Ziel.

Wer mit Gewichten experimentiert, sollte stets zwischen Regelkonformität, Schusskomfort und Präzision abwägen – und verstehen, dass Balance immer subjektiv bleibt.

Barebow-Gewichte sind kein Trick – sie sind Feintuning für das Gefühl zwischen Schütze, Bogen und Ziel.